Der Automobilsektor spielt mit seiner Produktion und Zulieferunternehmen eine bedeutende Rolle für die Industrialisierung Afrikas. Doch noch ist das Volumen von Neuwagenverkäufen auf dem Kontinent überschaubar und gebrauchte Fahrzeuge bestimmen das Bild. Dabei entwickeln sich neben den etablierten Fertigungsstandorten Marokko und Südafrika weitere Länder zu attraktiven Märkten für Absatz und Produktion. Deutsche Unternehmen und Zulieferer können davon profitieren. 

Die Produktion von Neuwagen auf dem afrikanischen Kontinent nimmt zu. Allerdings ist der afrikanische Automobilmarkt noch stark von gebrauchten Autos geprägt. Im vergangenen Jahrzehnt wurden lediglich zwischen 0,9 und 1,3 Millionen neue Autos auf dem Kontinent verkauft. Allein vier Fünftel des Absatzes von Neuwagen entfällt auf drei Länder – Ägypten, Marokko und Südafrika. Bei der Produktion von neuen Personenkraftwagen (Pkw) ist der Markt sogar noch konzentrierter. Im Jahr 2021 kamen 95 Prozent der in Afrika produzierten Autos aus Marokko und Südafrika.

Podcast Weltmarkt: Die Automobilindustrie in Afrika

Diese beiden Länder haben vorgemacht, wie ein attraktiver Markt für die Produktion und den Absatz von Autos entstehen kann. Es bedarf einer Gesetzgebung, welche die Produktionsbedingungen für den lokalen und internationalen Markt verbessert. Regierungen und in Afrika ansässige Unternehmen arbeiten bereits an solchen Reformen. Bevölkerungsreiche Länder wie Ägypten und Nigeria, aber auch regionale Hubs wie Kenia besitzen großes Marktpotenzial.

In Zukunft könnten nicht nur die Produktion und der Verkauf von Pkw und Pkw-Teilen eine größere Rolle spielen, sondern auch Dienstleistungen rund um die Mobilität. Gemeinsame Fahrten oder das Teilen von Fahrzeugen könnten für viele afrikanische Konsumenten attraktiver sein als der Erwerb eines Autos. Eine Reihe von deutschen Unternehmen – sowohl Autohersteller als auch Zulieferunternehmen – produzieren bereits in Afrika. Der sich in den kommenden Jahren wandelnde Markt in Afrika wird ihnen und weiteren Neueinsteigern vielfältige Möglichkeiten bieten, an dem Wachstum teilzuhaben.

360.110

Marokko war 2019 mit 360.110 Autos der größte afrikanische Exporteur von Fahrzeugen.

4

Laut Schätzung hat Afrika mittelfristig das Potenzial, 4 bis 5 Millionen Neufahrzeuge jährlich zu produzieren.

44

In Afrika besitzen 1.000 Menschen im Schnitt nur 44 Fahrzeuge. In den USA sind es 800 Fahrzeuge.

Potenzialmärkte für die Automobilindustrie in Afrika

Ghana

Ghanas Automobilbranche profitiert von dem 2020 in Accra eröffneten Montagewerk von Volkswagen. Auch Toyota, Nissan und Peugeot montieren inzwischen vor Ort. Damit wird das Land immer interessanter für Zulieferer und ausländische Autobauer. Ghana möchte sich zum Automobil-Hub in Westafrika etablieren.

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Marokko

Effiziente Industriezonen und hochspezialisierte Ausbildungsinstitute – damit punktet Marokkos Automobilsektor. Nach Einbrüchen in der Coronakrise soll der lokale Fertigungsanteil von 60 auf 80 Prozent steigen; 2023 ist eine Produktion von mindestens 700.000 Einheiten geplant. Die Zulieferindustrie wächst im Windschatten von Renault, Dacia, Peugeot und Citroën. Für die Zukunft steht Elektromobilität ganz oben auf der Agenda. 

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Nigeria

Noch produziert Nigerias Automobilindustrie relativ geringe Mengen vor Ort. Der Markt ist geprägt von Importen und einem hohen Anteil von Gebrauchtwagen. Doch das Interesse internationaler Automobilhersteller wächst. Marken aus Japan und China haben Montagen vor Ort aufgenommen. Für die nächsten Jahre erwartet die Economist Intelligence Unit (EIU) ein durchschnittliches Wachstum von rund 12 Prozent pro Jahr.

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Südafrika

Kfz-Produktion und Kfz-Markt sind gut in das Jahr 2022 gestartet. Der Automobilbau ist für Südafrika eine Schlüsselbranche. Allerdings dürften steigende Zinsen und das erwartete schwächere Wachstum auf dem wichtigen Absatzmarkt Europa auch den südafrikanischen Fahrzeugbauern zusetzen. Chancen liegen in der Produktion von Elektroautos und im Aufbau einer Kfz-Wertschöpfungskette gemeinsam mit weiteren afrikanischen Ländern.

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Botsuana

In Zusammenarbeit mit Deloitte will die Regierung bis Ende 2022 weitere Unternehmen aus der Kfz-Branche für den Standort Botsuana gewinnen. Mit Zulieferern, wie dem Kabelhersteller Kromberg & Schubert oder dem Batteriehersteller Chloride Botswana, haben sich in den letzten Jahren bereits erste Unternehmen im Land angesiedelt. Abnehmer ist die Automobilindustrie in Südafrika.

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Ruanda

Für Konzepte zur Elektromobilität ist Ruanda ein interessanter Versuchsstandort. Das Start-up Ampersand baut seit 2019 in Kigali E-Motorradtaxis (E-Motos) zusammen und hat für die Fahrer 20 Batteriewechselstationen eingerichtet. Das Interesse an Neuwagen könnte konjunkturbedingt steigen. Toyota ist Marktführer vor dem Volkswagen-Konzern, der in Kigali seit 2018 Autos herstellt. 

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Tansania

Im Zuge eines Bus-Rapid-Transit-Projekts in Daressalam stehen weitere Ausschreibungen für Busse an. Der Lkw-Markt ist recht groß angesichts der Nachfrage aus den Bereichen Logistik, Bau, Bergbau und Industrie. In den letzten zehn Jahren pendelte sich der Pkw-Absatz in Tansania bei 2.000 bis 3.000 Kfz ein. Für das Jahr 2022 erwarten Branchenkenner eine weitere Steigerung der Neuwagenverkäufe. 

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Tunesien

Für die europäische Automobilindustrie spielt Tunesien bereits heute eine wichtige Rolle, die in Zukunft noch bedeutender werden könnte. Als Absatzmarkt steht das Land nicht in der ersten Reihe; dafür umso mehr als Beschaffungsmarkt für Produkte wie Kabelbäume, Bordelektronik, Sitze und andere Komponenten. Einige der Kfz-Zulieferunternehmen betreiben auch eigene Entwicklungs- und IT-Abteilungen – ein Trend, der stetig zunimmt. Denn mit einem großen Pool an Fachkräften ist Tunesien für zukunftsweisende Themen wie autonomes Fahren und E-Mobilität gut aufgestellt.

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Weitere Märkte

Germany Trade & Invest (GTAI) bietet weitergehende Informationen zur Automobilbranche in Afrika. Die Berichte beleuchten neben der Marktentwicklung auch politische Rahmenbedingungen, aktuelle und geplante Projekte sowie Geschäftschancen für deutsche Unternehmen.

Kennzahlen für ausgewählte Automobilmärkte in Afrika

Afrikanische Automobilimporte im Ländervergleich

Erfahrungsberichte von Unternehmen aus dem Kfz-Sektor in Afrika

Mit Zukunft: Partnerschaft der Automobilverbände kommt ins Rollen

Der Verband der deutschen Automobilindustrie kooperiert mit seinem panafrikanischen Counterpart. Victoria Backhaus-Jerling berichtet aus dem gemeinsamen Projektbüro in Südafrika.

Fahrt voraus: Deutsches Afrika-Engagement bündeln und stärken

Deutschland muss die Zusammenarbeit mit Afrika verstärken. SAFRI-Vorsitzender und Volkswagen-Konzernvorstand Thomas Schäfer erklärt, welche Themen er ganz vorne sieht.

Punkte sammeln: Südafrikas BBBEE-System zur Chancengleichheit

Das Programm BBBEE soll Unternehmertum und Beschäftigung bei den im Apartheidregime benachteiligten Bürgern Südafrikas fördern. Was bedeutet das für investierende Unternehmen?

Lieferketten: Sourcing im südlichen Afrika

Das Kompetenzzentrum Sourcing an der AHK Südliches Afrika vernetzt deutsche Unternehmen mit lokalen Zulieferern. Beide Seiten optimieren so ihre Liefer- und Wertschöpfungsketten.

Gute Beziehungen: Vorbereitungen für einen Zukunftsmarkt 

Thomas Schäfer, ehemaliger Geschäftsführer von VW Südafrika und Subsahara-Afrika, berichtet über Afrikas Potenzial für die Automobilindustrie und gibt Tipps für Mittelständler.

Vom Hörsaal in die Arbeitswelt: Marquardt steigert Praxisbezug

Die TAMA Akademie rückt die praktische Ausbildung tunesischer Fachkräfte in den Fokus. Nach dem Vorbild des deutschen dualen Systems werden so neue Ausbildungsplätze geschaffen.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen in der Automobilindustrie in Afrika

In Entwicklungsprojekten werden immer wieder Fahrzeuge angeschafft. Oft sind dies Geländewagen und Pick-Ups oder landwirtschaftliche Fahrzeuge. In Projekten zur beruflichen Bildung benötigen die Projektträger Ausstattung, um ihre Auszubildenden etwa in Kfz-Technik zu schulen. 

Projekt- und Ausschreibungshinweise für den Kfz-Sektor Neues Fenster zu "Projekt- und Ausschreibungshinweise für den Kfz-Sektor".

Germany Trade & Invest informiert fortlaufend über aktuelle Ausschreibungen im Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.

Meldungen zur Automobilindustrie in Afrika

30.11.2023 Meldung Neue Podcast-Folge zur Automobilindustrie in Afrika

Der GTAI-Podcast beleuchtet in Folge 13 den Automobilsektor in Afrika und sieht Chancen auf einem kleinen, aber wachsenden Markt

09.11.2023 Meldung Beschaffungsmarkt Nordafrika punktet mit kurzen Lieferwegen

Wegweiser für deutsche Unternehmen gibt Einblick in die attraktivsten Märkte und zeigt Chancen für Einkäufer und Produzenten

07.09.2023 Meldung Deutscher Außenhandel mit Afrika wächst weiter

Der deutsche Außenhandel mit Afrika erreichte im ersten Halbjahr 2023 ein Plus von 9,2 Prozent. Ausfuhren steigen stärker im Wert als Einfuhren.

Aktuelle Veranstaltungen zur Automobilindustrie in Afrika

WAAS - West Africa Automotive Show

BUNDESMESSEBETEILIGUNG
14.05.2024 bis 16.05.2024 Lagos, Nigeria
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WAAS - West Africa Automotive Show

Fachmesse für Fahrzeuge (Autos, Nutzfahrzeuge, Motorräder, Wohnmobile, Kfz-Zubehör)

Fahrzeugindustrie / Fahrzeugzulieferer - Algerien

Ansprechpartner für den Automobilsektor

Kontakt Verband der Automobilindustrie (VDA)

Publikationen zur Automobilindustrie in Afrika

Branche kompakt: Kfz-Industrie in Südafrika Neues Fenster zu "Branche kompakt: Kfz-Industrie in Südafrika".

Ein kompakter Überblick über die Kfz-Industrie in Südafrika. Beleuchtet werden unter anderem Markttrends, Rahmenbedingungen und die Struktur der Branche.

Afrika Kompakt

Das Markets-Sonderheft "Afrika kompakt" von GTAI erklärt die vier wichtigsten Schritte beim Markteinstieg.

Branche kompakt: Kfz-Industrie in Marokko Neues Fenster zu "Branche kompakt: Kfz-Industrie in Marokko".

Ein kompakter Überblick über die Autoindustrie in Marokko. Betrachtet werden unter anderem Markttrends, Rahmenbedingungen und wie die Branche strukturiert ist.