Algerien ist als größtes Land des afrikanischen Kontinents ein bedeutender ökonomischer Player. Bestimmend für die Wirtschaft sind Förderung und Export von Erdöl und -gas. Angesichts stark schwankender Einnahmen und einer schwierigen Haushaltslage steht das bisherige Modell der Rentenökonomie in Frage. Schnelle Fortschritte hin zu einer wirtschaftlichen Diversifizierung sind dringend geboten. Ziel der Politik ist es, die industrielle Produktion im Land zu erhöhen und mehr Arbeitsplätze außerhalb des Öl- und Gassektors zu schaffen. Die politische und wirtschaftliche Perspektive wird aktuell durch große Unsicherheiten, Massendemonstrationen und verschobene Wahlen belastet.

Zahlen | Daten | Fakten

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Auf den Punkt gebracht

Algerien ist nach Ägypten der zweitwichtigste Kunde deutscher Exporteure in Nordafrika. Die niedrigeren Ölpreise und der politische Umbruch bringen Ungewissheit, bieten jedoch auch Chancen. Strukturreformen, mehr Privatwirtschaft und eine Öffnung der Wirtschaft für ausländische Investoren sind nötig, um Arbeitsplätze und Perspektiven für die Bevölkerung zu schaffen. Deutsche Unternehmen sind als Techniklieferanten und Partner zur Förderung der lokalen Produktion gefragt.

(Peter Schmitz, GTAI-Korrespondent für Algerien)

Kernbranchen

Für Algerien lassen sich folgende Kernbranchen identifizieren:

BauwirtschaftDie hohe Bevölkerungszunahme erfordert Investitionen in den Wohnungsbau und die Infrastruktur. Der Bausektor ist zuletzt schneller als die Gesamtwirtschaft gewachsen, sieht sich aktuell jedoch mit Finanzierungsproblemen konfrontiert.
ChemieDie Chemieindustrie ist mit positiven Aussichten ins Jahr 2019 gestartet. Für ein geplantes Großprojekt der Phosphatindustrie werden noch Auftragnehmer gesucht. Die Pharmaindustrie wies in den letzten Jahren zweistellige Wachstumsraten auf, mittelfristig kann auch der Export in andere Länder des Kontinents zunehmen.
EnergiewirtschaftDie Kapazitäten zur Energieerzeugung sollen von aktuell 21 auf 33 Gigawatt im Jahr 2022 steigen. Dazu sind auch 34.000 Kilometer neuer Hochspannungsleitungen geplant. Erneuerbare Energien spielen bisher eine untergeordnete Rolle, sollen aber ausgebaut werden.
Kfz und Kfz-TeileVolkswagen unterhält seit 2017 ein Montagewerk in Relizane, gemeinsam mit seinem algerischen Joint-Venture-Partner SOVAC. Neben BAIC (China) gaben zuletzt auch Hyundai, Nissan (Korea) und Ford (USA) die Eröffnung von Werken bekannt. Die Regierung begrenzt die Importe von Pkw-Montagekits.
NahrungsmittelDie Herstellung von Nahrungsmitteln besitzt großes Entwicklungspotenzial. Herausforderungen sind eine sichere Elektrizitätsversorgung und die Aufrechterhaltung der Kühlkette.
Öl und GasDer Öl- und Gassektor ist für rund 90 Prozent der Exporteinnahmen verantwortlich. Der steigende Eigenbedarf erfordert neue Investitionen. Ein neues Energiegesetz soll das Land für Investoren attraktiver machen, die politische Unsicherheit dämpft jedoch die Aussicht einer baldigen Umsetzung.
Textil und BekleidungDie Textilindustrie will den Anteil der lokalen Produktion steigern. Dazu dient auch das 800 Millionen US-Dollar-Megaprojekt Tayal zwischen der türkischen Gruppe TAY und algerischen (staatlichen) Unternehmen. Die deutsche Firma Brückner lieferte hierfür Produktionsanlagen.
Wasser und UmweltDer Markt für Abfallentsorgung wird sich laut Prognosen auf 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2035 verdreifachen. Herausforderungen bei der Wasserversorgung sind die Reduzierung der Leitungsverluste (aktuell 35 Prozent), die Verbesserung der landwirtschaftlichen Bewässerung sowie die Entschlammung von Stauseen.

Der Branchencheck-Algerien enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten. Der Auskunftsservice von GTAI hilft weiter bei speziellen Fragen zu Ihrem Zielmarkt. Ihre Frage an uns.

SWOT-Analyse: Algerien

Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken Algeriens als Wirtschaftsstandort: Eine Orientierungshilfe.

S (Strengths | Stärken)

  • Geringe Außenverschuldung
  • Im Regionalvergleich großer Binnenmarkt
  • Zentrale Lage zwischen Europa und Afrika
  • Bedeutende Rohstoffvorkommen (Gas, Öl, Phosphat, Eisenerz)

W (Weaknesses | Schwächen)

  • Kaum diversifizierte Industrie, schwacher Privatsektor
  • Instabile Sicherheitslage
  • Geringe Transparenz, teilweise schwerfällige Bürokratie
  • Unsicherheit über den Ausgang des politischen Umbruchs

O (Opportunities | Chancen)

  • Öffnung der Wirtschaft für ausländische Investoren
  • Zunehmende Diversifizierung der Wirtschaft und Energieerzeugung
  • Weitere staatliche Investitionen
  • Steigerung der Rohstoffausbeute

T (Threats | Risiken)

  • Externe Abhängigkeiten: Energiepreise, Einfuhren von Nahrungsmitteln und Investitionsgütern
  • Hohes staatliches Defizit belastet Währungsreserven
  • Fortdauernde Transformationsphase

Marktzugang: Algerien

Zoll- und Einfuhrregelungen

Einen ersten Überblick über die bezüglich der Wareneinfuhr in Algerien zu beachtenden Vorschriften finden Sie in der Publikation Zoll und Einfuhr Kompakt:

"Zoll und Einfuhr Kompakt Algerien"

Wirtschaftsrecht

Informationen zum Wirtschaftsrecht finden Sie in der Publikation Recht Kompakt Algerien:

"Recht Kompakt Algerien"

Ausschreibungen | Projekte | Initiativen

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Algerien sind es seitens der Geber besonders EU-Institutionen, die Finanzierung für Vorhaben der öffentlichen Hand bereitstellen. Darüber hinaus bieten auch viele weitere öffentliche und private Investitionsvorhaben Geschäftschancen für deutsche Unternehmen. Ausschreibungen gibt es sowohl für den Einkauf von Consultingleistungen als auch für Liefer- und Bauleistungen.

Projektfrühinformationen Algerien (GTAI-Datenbank)

Aktuelle Ausschreibungsmeldungen Algerien (GTAI-Datenbank)

Geschäftskontakte