Die nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft wird in Afrika immer bedeutender. Mehr und mehr Menschen leben in wachsenden Städten dicht beieinander. Die Dringlichkeit wächst, gesunde Lebens- und Umweltverhältnisse sicherzustellen. Die Versorgung mit sauberem Wasser wie auch eine verlässliche Abwasserentsorgung sind deshalb entscheidende Zukunftsaufgaben. Ein modernes Abfallmanagement ist ebenfalls zentral.

Der Zugang zu Trinkwasser konnte in den letzten Jahren deutlich verbessert werden. Immerhin zwei Drittel der afrikanischen Bevölkerung nutzen heute eine Basisversorgung an Wasser. In Botsuana, Marokko und Tunesien könnten bis 2030 alle Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgt werden. Insgesamt verfügen jedoch nur vier von zehn Menschen in Afrika über sauberes Trinkwasser, mehr als die Hälfte hat bisher keinen Anschluss an ein Abwassersystem. Besonders schwierig ist die Lage in ländlichen Regionen Subsahara-Afrikas. Dort haben über 400 Millionen Menschen nicht einmal einen einfachen Zugang zu Wasser. Sie müssen entweder weite Strecken bis zur nächsten Wasserquelle zurücklegen oder das Wasser erreicht keine Mindestqualität. 

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4 Prozent des Hausmülls in Subsahara-Afrika werden recycelt. Zum Vergleich: In der EU sind es 48 Prozent, in Deutschland 67 Prozent.

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In Afrika haben 55 Prozent der Bevölkerung keine sanitäre Grundversorgung.

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Deutsche Unternehmen haben einen Marktanteil von rund 13 Prozent am Weltmarkt für Umwelttechnologie.

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In Subsahara-Afrika verursacht ein Mensch etwa ein halbes Kilo Hausmüll pro Tag. In Deutschland ist es dreimal so viel.

Quellen: Global Waste Management Outlook 2024, Eurostat, BMUV, GreenTech made in Germany 2025, Progress on Sanitation and Hygiene in Africa 2000-2022

Vor ähnlichen Herausforderungen steht der Kontinent auch bei der Abfallwirtschaft. Noch ist die täglich erzeugte Menge Müll pro Kopf in Afrika gering. Doch in den kommenden Jahrzehnten wird rund die Hälfte des weltweiten Abfallvolumens in Afrika entstehen – angetrieben durch das Bevölkerungswachstum, aber auch durch veränderte Konsumgewohnheiten. Ein Problem ist dabei die mangelhafte Abfallbehandlung und -entsorgung. Doch das Abfallgeschäft ist lukrativ. Das Potenzial wiederverwertbarer Wertstoffe wird zunehmend erkannt und lokale Recyclingbranchen entwickeln sich.

Viele afrikanische Regierungen stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Es mangelt an moderner Technologie, Know-how und vielfach auch an Finanzierungsmöglichkeiten. Die Gemeinden müssen allein für die Abfallentsorgung ein Fünftel ihres Budgets verwenden, weshalb auch internationale Geber und private Investoren gefragt sind. Deutsche Unternehmen sind bereits in Afrika sowohl im Abfallbereich als auch im Wassersektor aktiv. In Zukunft dürfte der Bedarf auf dem Kontinent weiter wachsen und entsprechend auch die Chancen für deutsche Unternehmen. 

In Afrika führen Umweltprobleme und steigender Ressourcendruck zu neuen Ideen in Richtung einer Kreislaufwirtschaft. Deutsche Unternehmen unterstützen diesen Wandel mit modernen Umwelttechnologien und praktischem Know-how, um gemeinsam mit lokalen Industrien nachhaltige Lösungen voranzutreiben.

Christ Herbert Koffi Branchenexperte für Umwelttechnologien des Wirtschaftsnetzwerks Afrika an der Delegation der deutschen Wirtschaft in Côte d’Ivoire

Potenzialmärkte für Wasser- und Umwelttechnologie in Afrika

Tunesien

Die Abfallwirtschaft in Tunesien steht vor großen Herausforderungen: Ein Großteil der Siedlungsabfälle landet weiterhin unbehandelt auf Deponien, die Recyclingquote bleibt niedrig und die einzige Anlage zur Behandlung gefährlicher Industrieabfälle ist seit 2011 außer Betrieb. Gleichzeitig entstehen erhebliche Mengen an Industrie- und landwirtschaftlichen Abfällen, während staatliche Rücknahmesysteme wie ECO-LEF stark an Bedeutung verloren haben.

Trotz dieser Probleme gibt es Chancen durch internationale Geberfinanzierung, Pilotprojekte im Bereich Waste-to-Energy sowie Initiativen zur Mülltrennung und eine stärkere Einbindung des informellen Sektors, der insbesondere beim Plastiksammeln eine zentrale Rolle spielt.

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Kenia

Public-Private-Partnerships werden zunehmend genutzt, etwa beim Sabaki Water Carrier Project oder der geplanten Meerwasserentsalzungsanlage in Lamu. Deutsche Unternehmen finden vor allem als Berater, Ingenieurbüros oder Anbieter effizienter Technologien Chancen. Der Bedarf an Effizienzlösungen, dezentralen Versorgungskonzepten und moderner Abwasserbehandlung wächst.

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Südafrika

Südafrikas Abfallwirtschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel: Steigende Abfallmengen, überlastete Deponien und strengere gesetzliche Vorgaben – etwa durch die geplante National Waste Management Strategy 2026 – erhöhen den Druck auf Kommunen und Industrie, moderne Entsorgungs- und Recyclinglösungen einzuführen. Obwohl jährlich über 125 Millionen Tonnen Abfall entstehen und nur rund 10 Prozent recycelt werden, eröffnen neue Regularien, EPR-Pflichten und Großprojekte wie das 300-Millionen-Euro-Waste-to-Energy-Vorhaben in Johannesburg große Marktchancen für Technologieanbieter. 

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Ägypten

Ägypten muss seine Wasserversorgung grundlegend umbauen, da über 90 Prozent des Wassers aus dem Nil stammen und die Ressourcen durch Bevölkerungswachstum, Klimawandel und politische Konflikte – etwa um den äthiopischen GERD-Staudamm – zunehmend unter Druck geraten. Um die Versorgung zu sichern, verfolgt das Land eine „zweite Generation des Wassersystems“, die auf Wiederaufbereitung von Abwasser, Entsalzung von Meer- und Brackwasser, digitale Bewässerungssysteme, resiliente Infrastruktur und bessere Qualifizierung setzt. Ein neues Trink- und Abwassergesetz ab 2026 soll zudem private Investitionen und PPP-Modelle erleichtern und den Ausbau der gesamten Wertschöpfungskette – von Aufbereitung über Verteilung bis Abwasserbehandlung – beschleunigen. Da die verfügbaren Ressourcen bereits unter der nationalen Nachfrage liegen, wird die Wiederverwendung von Wasser zum zentralen Baustein der Strategie.

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Marokko

Marokko leidet seit Jahren unter starkem Niederschlagsmangel und baut deshalb die Meerwasserentsalzung massiv aus. Der Nationale Wasserplan 2020 bis 2050 sieht vor, die Entsalzungskapazitäten von 175 Millionen Kubikmeter pro Jahr (2023) auf 1,3 Milliarden Kubikmeter jährlich bis 2050 zu steigern. Das zentrale Vorzeigeprojekt entsteht in Casablanca, wo für rund 800 Millionen Euro eine der größten Entsalzungsanlagen Afrikas gebaut wird, die ab 2028 jährlich 300 Millionen Kubikmeter Trinkwasser liefern soll. 

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Sierra Leone

Die Wasser- und Abfallwirtschaft in Sierra Leone befindet sich in einer frühen Entwicklungsphase, wobei Freetown mit rund 436.000 Tonnen Siedlungsabfall pro Jahr besonders betroffen ist; mehr als die Hälfte davon landet auf illegalen Deponien oder wird verbrannt . Die Abfallabholung wird jedoch zunehmend strukturierter, unter anderem durch private Anbieter wie Freetown Waste Transformers, die über eine App organische Abfälle einsammeln und in einer Biogasanlage verwerten. Parallel dazu laufen Ausschreibungen zur Modernisierung der Abfallwirtschaft, einschließlich der geplanten Aufteilung der Stadt in acht Sammelzonen mit sechzehn Sammelstellen.

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Weitere Märkte

Germany Trade & Invest (GTAI) bietet weitergehende Informationen zur Umwelttechnologiebranche in Afrika. Die Berichte beleuchten neben der Marktentwicklung auch politische Rahmenbedingungen, aktuelle und geplante Projekte sowie Geschäftschancen für deutsche Unternehmen.

Kennzahlen für ausgewählte Märkte im Bereich Wasser und Umwelt in Afrika

Abfallwirtschaft in Afrika im Ländervergleich

Erfahrungsberichte aus dem Bereich Wasser und Umwelt

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Wasserwirtschaft: Branchenexperte schafft Marktzugang in Ägypten

Als Branchenexperte für Wasser identifiziert Dr. Peter Riad für das Wirtschaftsnetzwerk Afrika Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Firmen in Ägypten.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen im Wasser- und Umweltsektor

Wasser und Abwasser sind die wichtigsten Sektoren in der internationalen Zusammenarbeit mit Afrika. Auch Umwelt- und Klimaschutz spielen eine immer größere Rolle. Geber fördern beispielsweise Meerwasserentsalzungsanlagen, den Ausbau der Wasserversorgung in Städten und ländlichen Räumen sowie Planung und Bau von Abwasserentsorgungssystemen. Sie unterstützen auch Umweltverträglichkeitsstudien und die Planung klimaresilienter Finanzsysteme sowie Abfallsammlung, Recycling und Abfallmanagement.

Projekt- und Ausschreibungshinweise zu Wasser und Umwelt Neues Fenster zu "Projekt- und Ausschreibungshinweise zu Wasser und Umwelt".

Germany Trade & Invest informiert fortlaufend über aktuelle Ausschreibungen im Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.

Aktuelle Veranstaltungen zur Wasserwirtschaft und Umwelttechnik in Afrika

South Africa Market Discovery

Ansprechpartner für Wasser und Umwelt in Afrika

Weitere Informationen zu Afrikas Wasser- und Umweltsektor

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Ein kompakter Überblick über die Abfallwirtschaft in Tunesien. Beleuchtet werden unter anderem Markttrends, Rahmenbedingungen und die Struktur der Branche.

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Ein kompakter Überblick über die Abfallwirtschaft in Marokko. Beleuchtet werden unter anderem Markttrends, Rahmenbedingungen und die Struktur der Branche.

Branche kompakt: Abfallwirtschaft in Südafrika Neues Fenster zu "Branche kompakt: Abfallwirtschaft in Südafrika".

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Der Klimawandel trifft Afrika besonders stark. Deutsche Technologien leisten einen Beitrag für nachhaltiges und umweltschonendes Wirtschaftswachstum in Afrika.

Deutsche Umwelttechnik für Afrika

Beim Ausbau der industriellen Produktion in Afrika sind nachhaltige Konzepte gefragt. Deutsche Unternehmen können mit innovativer Umwelttechnik einen großen Beitrag leisten.

Länderprofil Ägypten Neues Fenster zu "Länderprofil Ägypten".

Länderprofil zur Kreislauf- und Wasserwirtschaft (2021)

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Afrika Kompakt

Das Markets-Sonderheft "Afrika kompakt" von GTAI erklärt die vier wichtigsten Schritte beim Markteinstieg.