Schon lange hat die Regierung in Rabat das Thema E-Health im Visier. Der medizinischen Unterversorgung, vor allem in den ländlichen Regionen, könnte mit Hilfe von digitalen Problemlösungen Paroli geboten werden. Dass Fortschritte in diesem Bereich bislang überschaubar blieben, dürfte unter anderem an der mangelnden Koordinierung zwischen den öffentlichen und privaten Entscheidungsträgern in dem Sektor liegen.

 

Internationale Firmen vor Ort könnten mit ihrem Know-how die Entwicklung vorantreiben. Ein Medizintechnikunternehmen, das den Digitalmarkt im Blick hat, ist Siemens Healthineers, das darauf spekuliert, dass der öffentliche Sektor in den kommenden Jahren weiter investiert, und die Dynamik durch den Privatsektor anhält.

 

Interview mit Gero Peters, Geschäftsführer Siemens Healthineers Marokko

 

In Stichworten: Warum ist Siemens Healthineers in Marokko erfolgreich?

 

Siemens Healthineers ist in Marokko mit einer eigenen Niederlassung präsent und garantiert dadurch das Einhalten internationaler Standards, sowie den Zugang zu moderner Gesundheitstechnik. Für Siemens Healthineers ist es wichtig zu zeigen, dass wir dem marokkanischen und maghrebinischen Markt besondere Bedeutung zumessen und wir im regelmäßigen Austausch mit unseren Partnern in Gesundheit, Forschung und Politik stehen. Vom Verkauf bis zum Service werden Projekte betreut. In dem Zusammenhang gewährleistet ein hochqualifiziertes Team von Ingenieuren und Projektleitern den reibungslosen Ablauf durch alle Projektphasen, sozusagen von der ersten Logistik bis hin zum Kundendienst.

 

Sehen Sie auf dem marokkanischen Gesundheitsmarkt noch Potenzial für ausländische Mittelständler?

 

Der marokkanische Gesundheitsmarkt hatte über die letzten zehn Jahre eine Wachstumsrate von durchschnittlich 6 Prozent jährlich. Von öffentlicher Seite wird weiterhin massiv investiert, darüber hinaus hat die Liberalisierung des privaten Gesundheitswesens viele in- und ausländische Investoren angezogen. Marokko ist ein dynamisches Land und für deutsche und europäische Firmen jeder Größe gibt es definitiv in vielen Sektoren Potenzial.

 

In welchen Bereichen erwarten Sie besonders Chancen?

 

Als Siemens Healthineers schauen wir insbesondere auf den Gesundheits- und Digitalmarkt. Marokkos Patienten haben in den letzten Jahren deutlich besseren Zugang zu Diagnostik und Behandlung erhalten, aber es gibt im Bereich der Versorgung von nicht übertragbaren Krankheiten wie Diabetes, Schlaganfall oder Krebs noch viel zu tun. Neben dem ländlichen Bereich engagieren wir uns in enger Zusammenarbeit mit anderen Akteuren, bei der Unterstützung der Universitätskliniken, auch weil die akademische und technische Ausbildung von zukünftigen Generationen Siemens Healthineers wichtig ist. Beachtlich ist, dass in Marokko in den letzten Jahren mehrere Pilotprojekte im Rahmen der Telemedizin angelaufen sind. Allgemein ist die Infrastruktur bezüglich Healthcare-IT-Lösungen noch sehr wenig entwickelt und nur wenige Krankenhäuser sind bislang mit derartigen Lösungen ausgestattet. Die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung ist eine große Chance für die bessere Diagnose und Versorgung und für Marokko die Gelegenheit, in Zusammenarbeit mit Industriepartnern wie Siemens Healthineers ein neues Zeitalter im Gesundheitsbereich einzuläuten.

 

Interview: Michael Sauermost, GTAI-Korrespondent in Casablanca (August 2019)

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