Tunesiens Wirtschaft ist stark auf Europa ausgerichtet - auch viele deutsche Unternehmen produzieren vor Ort. Das Land verfügt über eine gute Infrastruktur und diversifizierte Wirtschaft. Einstiegsmöglichkeiten in den Markt finden sich in der Nahrungsmittelproduktion, der Textilwirtschaft, bei erneuerbaren Energien und IT-Dienstleistungen. Tunesien gilt unter den arabischen Staaten als Vorreiter einer erfolgreichen Demokratisierung. Die Revolution im Jahr 2011 und mehrere Terroranschläge in den Folgejahren haben die Wirtschaft jedoch geschwächt. Mittelfristig sind nun auch Absatzmärkte auf dem afrikanischen Kontinent im Visier.

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Auf den Punkt gebracht

Deutsche Unternehmen sind langjährige und angesehene Partner Tunesiens. Das bietet gute Anknüpfungspunkte. Ob Reformen nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Herbst 2019 zügiger angegangen werden, bleibt abzuwarten. Angesichts der strukturellen Defizite bei den Themen Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit und Bürokratie wäre dies dringend nötig. Der Tourismus zieht immerhin wieder an und auch in die erneuerbaren Energien ist Bewegung gekommen. Das bringt Geld und Arbeitsplätze, neben einer positiveren Wahrnehmung im Ausland.

Peter Schmitz, GTAI-Korrespondent für Tunesien

Kernbranchen

Für Tunesien lassen sich folgende Kernbranchen identifizieren:

BauwirtschaftDie Bauwirtschaft soll sich Prognosen zufolge deutlich erholen. Internationale Geber unterstützen den Transportmasterplan, der bis 2040 Investitionen von 22,15 Milliarden US-Dollar vorsieht. Zudem startet im Juli 2019 ein Aufwertungsprojekt für Sozialwohnungen mit Ausgaben von etwa 240 Millionen US-Dollar (US$).
ChemieDie Phosphatindustrie wird immer wieder Ziel sozialer Proteste und dadurch zeitweise stillgelegt. Die Produktion im ersten Trimester 2019 verdoppelte sich immerhin gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
ElektronikDie Branche ist vor allem durch die Herstellung von Kabeln und Kabelbäumen geprägt. Ausländische Direktinvestitionen in der Elektro- und Elektronikindustrie lagen 2011 bis 2016 bei durchschnittlich 33 Prozent im Jahr. Im Branchencluster ELENTICA erzielen 41 Unternehmen mit 11.000 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 1 Milliarde Euro. Ziel ist es, Umsatz und Mitarbeiterzahl in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln.
EnergieversorgungBis 2022 sollen 1.900 Megawatt aus erneuerbaren Energien produziert werden. Seit Anfang 2019 wurden mehrere Wind- und Solarprojekte vergeben, weitere Ausschreibungen werden folgen.
GesundheitswesenTunesien will seine Position als Gesundheitsdienstleister in der Region ausbauen. Der Beitritt zum „Gemeinsamen Markt für das Östliche und Südliche Afrika“ (COMESA) sowie der Ausbau der Beziehungen mit Ländern südlich der Sahara dürften dazu beitragen.
IKT-DienstleistungenDer IKT-Sektor wächst überdurchschnittlich. Der Start-up-Act bietet seit 2018 mehr Freiraum und Sicherheit. Auf dem Weg in Richtung Industrie 4.0 und Internet der Dinge bieten sich Kooperationsmöglichkeiten vor allem bei den Themen Energie, Landwirtschaft und Intelligentes Bauen an. Bedarf sehen Tunesiens IT-Unternehmer vor allem im Bereich Daten- und Systemsicherheit.
Kfz/Kfz-TeileDie Kfz-Branche ist für regionale Verhältnisse bereits diversifiziert und gut entwickelt. Zu den dominierenden Zweigen gehört die Herstellung von elektronischen Komponenten sowie Innenausstattung. Unternehmen profitieren von gut ausgebildeten Ingenieuren und wettbewerbsfähigen Produktionskosten.
LandwirtschaftDer Sektor trägt mehr als 10 Prozent zum BIP bei, ist aber stark von Regenfällen abhängig. Internationale Geber unterstützen unter anderem den Ausbau der Bewässerung, wie die Weltbank mit 140 Millionen US$ für ein Projekt in ländlichen Regionen.
Textil und BekleidungNach Jahren des Rückgangs scheint sich der Textilsektor zumindest vorerst zu stabilisieren. Der Fokus der Branche richtet sich nun vor allem auf Qualität und hochwertige Segmente. Der Branchenverband FTTH erwartet bis 2024 Investitionen von 450 Millionen Dinar. Auch mehrere deutsche Unternehmen produzieren in Tunesien, vor allem für den Export nach Europa.
UmwelttechnikDas Hausmüllaufkommen soll sich bis 2025 auf 3 Millionen Tonnen jährlich erhöhen. Die Regierung möchte das Recycling und die Abfallverwertung ausbauen. Die KfW-Entwicklungsbank unterstützt den Fonds de dèpollution, der Unternehmen Zuschüsse bei Investitionen in Umweltschutzmaßnahmen gewährt.

Der Branchencheck-Tunesien enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten. Der Auskunftsservice von GTAI hilft weiter bei speziellen Fragen zu Ihrem Zielmarkt. Ihre Frage an uns.

SWOT-Analyse: Tunesien

Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken Tunesiens als Wirtschaftsstandort: Eine Orientierungshilfe.

S (Strengths | Stärken)

  • Wettbewerbsfähiger Exportsektor
  • Nähe zum europäischen Markt
  • Gut ausgebildete Fachkräfte und Ingenieure
  • Relativ diversifizierte produzierende Industrie
  • Internationale Geber stützen Tunesien

W (Weaknesses | Schwächen)

  • Strukturelles Leistungsbilanzdefizit
  • Teilweise langsame und unvorhersehbare Bürokratie
  • Hohe Arbeitslosigkeit vor allem bei Hochschulabgängern
  • Starkes regionales Entwicklungsgefälle
  • Prekäre Beschäftigung im informellen Sektor

O (Opportunities | Chancen)

  • IKT, Gesundheitssektor, Tourismus und erneuerbare Energien mit neuen Entfaltungsmöglichkeiten
  • Schrittweise Umsetzung von Reformen sorgen für besseres Geschäftsklima
  • Schwacher tunesischer Dinar stützt die Exporte der verarbeitenden Industrie
  • Beitritt zur COMESA bietet Zugang zu anderen Märkten in Afrika

T (Threats | Risiken)

  • Verschleppung einiger Reformen durch anstehende Wahlen
  • Steigende Preise auf dem Weltenergiemarkt
  • Schwaches Wachstum in Europa
  • Soziale Spannungen steigen aufgrund der Inflation

Marktzugang: Tunesien

Rechtliche Rahmenbedingungen
Den Zugang zum tunesischen Markt regelt Artikel 4 des Investitionsgesetzes. Danach gilt der Grundsatz der Investitionsfreiheit. Ein Dekret der Regierung aus dem Jahr 2018 enthält das Kleingedruckte. Denn es bestimmt, welche Aktivitäten einer behördlichen Genehmigung bedürfen. Ebenso lässt sich der Liste entnehmen, wo Ausländer nur mit tunesischen Partnern oder gar nicht investieren dürfen. Wie in vielen arabischen Staaten auch steht der Handel ausländischen Investoren nur eingeschränkt zur Verfügung. Hier zieht das tunesische Recht eine Beteiligungsgrenze in Höhe von 50 Prozent.


Recht Kompakt Tunesien

Aktuelle Meldungen zum tunesischen Wirtschaftsrecht in der Datenbank von Germany Trade and Invest

Zoll- und Einfuhrregelungen

Einen breiten Überblick über die bezüglich der Wareneinfuhr und deren Marktzugang in Tunesien zu beachtenden Vorschriften finden Sie im Merkblatt über gewerbliche Wareneinfuhren.

Ausschreibungen | Projekte | Initiativen

Ausschreibungen

Ausschreibungen aus geberfinanzierten Projekten

In Tunesien sind eine Vielzahl bilateraler und multilateraler Geber aktiv. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank, Institutionen der Europäischen Union und andere stellen Finanzierung für Vorhaben der tunesischen Regierung bereit. Schwerpunkte der deutschen bilateralen Entwicklungszusammenarbeit sind nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Verwaltungsreformen und Ressourcenschutz. Aus geberfinanzierten Vorhaben resultieren viele Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Im Jahr 2018 waren dies in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, gefolgt von den Themen Wasser und Abwasser sowie Anlagen- und Maschinenbau.

Projektfrühinformationen Tunesien (Datenbank Germany Trade and Invest)

Aktuelle Ausschreibungsmeldungen Tunesien (Datenbank Germany Trade and Invest)

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