Die Gewinnung von Rohstoffen sowie die Fischerei sind für Mauretanien die mit Abstand wichtigsten Wirtschaftssektoren. Der Weltmarktpreis für Eisenerz - dem wichtigsten Exportgut - beeinflusst maßgeblich das Bruttoinlandsprodukt, das 2019 um 6,6 Prozent wachsen soll. Mauretanien leidet unter chronischer Armut und nimmt im UN-Wohlstandsindikator Human Development Index Rang 158 (von 189 Ländern) ein. Die geplante Erschließung von Offshoregasfeldern könnte der Wirtschaft sowie den Staatseinnahmen in zwei bis drei Jahren neuen Schub geben.

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Expertenstimme zu Mauretanien

Friedrich Henle, GTAI-Reisekorrespondent Nordafrika:

Afrika-Experte Friedrich Henle | © GTAI Illing & Vossbeck Fotografie Die Wahl von Mohamed Ould Ghazouani im Juni 2019 markiert den ersten demokratischen Übergang zwischen zwei Präsidenten seit der Unabhängigkeit im Jahr 1960. Ob damit auch Hoffnungen auf eine Verbesserung der Wirtschaft und eine gerechtere Einkommensverteilung erfüllt werden, bleibt abzuwarten. Internationale Vergleichsstudien bewerten das Geschäftsumfeld weiterhin als schwierig. Deutschlands Lieferungen nach Mauretanien sind mit etwas über 70 Millionen Euro pro Jahr ausbaufähig, andere europäische Länder schneiden hier deutlich besser ab.

Kernbranchen

Für Mauretanien lassen sich folgende Kernbranchen identifizieren:

Bauwirtschaft

Der Sektor umfasst angesichts der Wirtschaftsleistung und einer niedrigen Bevölkerungszahl eher kleinere Einzelprojekte. Internationale Geberinstitutionen unterstützen den Ausbau grundlegender Infrastrukturen wie das Straßennetz, die Wasserversorgung oder Schulen. So will die Weltbank 2020 unter anderem für den Straßenbau 150 Millionen US-Dollar (US$) bereitstellen. Ein größeres Einzelprojekt ist der Ausbau des Containerhafens der Hauptstadt Nouakchott für 310 Mio. US$.

BergbauEisenerz dominiert den Sektor, in der Bedeutung folgen Gold und Kupfer. Diese drei Rohstoffe stellen etwa die Hälfte der gesamten Exporterlöse dar. Das kanadische Unternehmen Kinross hat im September 2019 angekündigt, weitere 300 Mio. US$ in seine Goldmine in Tasiast zu investieren und die Jahresproduktion auf 563.000 Unzen zu verdoppeln. Uran könnte ab 2020 als Exportgut hinzukommen: Aura Energy aus Australien hat Ende 2018 eine Lizenz für sein Minenprojekt in Tiris erhalten.
Energiewirtschaft

Investitionen in Stromproduktion und -netze sind notwendig, um mehr Einwohnern den Zugang zu Elektrizität zu ermöglichen. 2016 waren es erst 42 Prozent, im ländlichen Bereich weniger als 5 Prozent. Das Ziel der Regierung ist eine Abdeckung von 10 Prozent bis 2030. Erneuerbare Energien machten 2017 bereits 36 Prozent der installierten Kapazität aus. Gute Umsetzungschancen bieten weiterhin Fotovoltaikanlagen auf dem Land.

LandwirtschaftDie Produktivität der Landwirtschaft ist niedrig, wiederkehrende Dürren belasten zusätzlich. Das Land muss deshalb 70 Prozent seiner Nahrungsmittel importieren, vor allem Getreide und Milchprodukte. Große Bedeutung hat der Fischfang vor der Küste Mauretaniens, er macht etwa ein Drittel der Exporte aus. Ein Fischereivertrag mit der Europäischen Union bringt dem Land jährlich mindestens 62 Millionen Euro an Lizenzgebühren.
Öl und Gas

Weitere Gasfunde im Greater Tortue Ahmeyim Offshorefeld erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass das Land ab 2022 erstmalig Gas fördern und exportieren wird. Mauretanien und Senegal, vor deren Küsten das Feld liegt, haben 2018 einen Kooperationsvertrag zur Erschließung der Lagerstätte geschlossen. Die Reserven werden auf 0,71 Billionen Kubikmeter geschätzt (im Vergleich dazu Algerien: 4,3 Billionen Kubikmeter).

Der Branchencheck-Mauretanien enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten. Der Auskunftsservice von GTAI hilft weiter bei speziellen Fragen zu Ihrem Zielmarkt. Ihre Frage an uns.

SWOT-Analyse: Mauretanien

Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken Mauretaniens als Wirtschaftsstandort: Eine Orientierungshilfe.

S (Strengths | Stärken)

  • Ergiebige Rohstoffvorkommen (Eisenerz, Gold, Kupfer, Gas)
  • Relative makroökonomische Stabilität

W (Weaknesses | Schwächen)

  • Geringe Wirtschaftsleistung, kleiner Markt mit 4,7 Millionen Einwohnern
  • Hohe Abhängigkeit vom Rohstoffexport
  • Hohe Armutsquote und ungleiche Einkommensverteilung

O (Opportunities | Chancen)

  • Steigerung der Rohstoffausbeute
  • Nutzung der neuen Gasfunde für die Stromerzeugung
  • Stärkere Nutzung des Senegal-Flusses für die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen
  • Beteiligung an Projekten der Entwicklungszusammenarbeit

T (Threats | Risiken)

  • Wiederkehrende Dürren belasten die Landwirtschaft
  • Sinkende Weltmarktpreise für Rohstoffe
  • Verschlechterung der Sicherheitslage (Terrorismusgefahr)

Marktzugang: Mauretanien

Informationen zum Wirtschaftsrecht sowie zu Zoll- und Einfuhrregelungen in Mauretanien finden Sie in der Datenbank von Germany Trade and Invest.

Ausschreibungen | Projekte | Initiativen

Ausschreibungen aus geberfinanzierten Projekten

In Mauretanien sind verschiedene bilateraler und multilateraler Geber aktiv. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und andere stellen Finanzierung für Vorhaben der öffentlichen Hand bereit. Aus diesen geberfinanzierten Projekten resultieren Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, aber auch für Liefer- und Bauleistungen.

Projektfrühinformationen und Ausschreibungsmeldungen Mauretanien (GTAI-Datenbank)

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